Glückliche Vermittlung

Anlässlich unseres Sommerfestes hatte ich ein mich so berührendes Gespräch mit Claudia R., die unseren „behinderten“ Kater Charles, jetzt von ihr Charlie genannt, übernommen hat, dass ich sie spontan bat, doch einmal über die erste Zeit mit Charlie zu berichten; und diesen Bericht möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

„Vor gut drei Monaten durfte ich Charlie bei Ihnen kennenlernen.
Frau Soltau klärte mich vorab schon am Telefon über seine gesundheitlichen Probleme auf. Charlie leidet unter Ataxie, ist dadurch gehbehindert, wacklig und zittrig. Eine leider unheilbare Krankheit. Ein Fundkater, der in einem schlechten Allgemeinzustand zu Ihnen kam, abgemagert, mit verfilztem Fell und Milben in den Ohren.

Der kleine Kerl war gleich so zutraulich und schnurrte so umwerfend, dass ich ihn gleich in mein Herz geschlossen habe. Kurze Zeit später kam dann der große Moment, wo ich ihn mit nach Hause nehmen durfte. Die Fahrt war für Charlie so aufregend, dass er Durchfall bekam. Zu Hause angekommen, kroch er als erstes unters Bett. Nichts anderes hatte ich erwartet. Aber nach kurzer Zeit entschied er sich, unter dem Bett hervorzukommen und mich schnurrend zu begrüßen. Ich war überwältigt, wie schnell er den Mut gefasst hat!

Er erkundete das Sofa, seine Schlafhöhle und den Balkon. Schließlich erklomm er sogar den Bürodrehstuhl, den er dann gleich zu seinem Chefsessel erklärte. Erschöpft von der Fahrt und all den neuen und aufregenden Eindrücken döste er dann schnurrend vor sich. Überhaupt, sein Schnurren ist wirklich außergewöhnlich!

Mittlerweile hat sich Charlie gut eingelebt, auch sein anfänglicher Durchfall ist wesentlich besser geworden. Durch sein Handicap kommt es ab und an vor, dass er in seine Hinterlassenschaften tritt und diese an seinen Pfoten aus dem Klo mit rausträgt. Mit genügend Badteppichen und Schmutzfangmatten lässt sich aber Schlimmeres verhindern. Leider kann oder will Charlie sich nicht so recht putzen. Mochte er anfangs die Bürste überhaupt nicht, scheint es mir so, dass er das Bürsten jetzt ganz erträglich findet. Er wird langsam immer flauschiger und hübscher J

Wie ich gerade diese Zeilen schreibe, liegt Charlie in seiner Hütte auf dem Balkon, ich darf dann auch mal auf dem Stuhl sitzen. Er liebt den Balkon, bei warmen Temperaturen schläft er sogar nachts draußen.

Charlie ist ein völlig entspannter und freundlicher Kater, der fast immer zu einer Schmuseeinheit aufgelegt ist. Er weiß genau, was er will oder auch nicht, und bringt das deutlich und auf eine sympathische Art und Weise zum Ausdruck. Bisher hat Charlie sämtliche Besucher durch seine zutrauliche Art um die Pfote gewickelt. An Intelligenzspielzeug, Bällen und Mäusen hat Charlie null Interesse, aber mit einer Federangel kann man ihn schon mal zum Spielen bewegen.

Was aber das schönste ist: er bewegt sich deutlich besser und schneller, als es anfangs zu vermuten war. Auch springt er ohne Mühe aufs Sofa, Bett und Stühle. Wenn es ums Futter geht, entwickelt er sogar ein ganz erstaunliches Tempo! Ich habe den Eindruck, dass es Charlie, trotz seines Handicaps, ganz gut geht. Ich kann nicht erkennen, dass er auf irgendeine Art und Weise leidet. Auch wackelt er nur noch wenig mit dem Kopf. Er hat sich ganz prima entwickelt!

Ich kann gar nicht genug ausdrücken, wie froh und dankbar ich bin, dass wir uns gefunden haben! Charlie ist ein ganz zauberhafter Kater mit einer charmanten Art, man muss ihn einfach gerne haben. Umso dankbarer bin ich, dass Sie ihm eine Chance gegeben haben. Sein Beispiel zeigt deutlich, wie viel Entwicklungsmöglichkeiten in so einem Tier doch noch stecken können.

Einem körperbehinderten Tier ein Zuhause zu geben, kann sich wohl nicht jeder vorstellen. Ich möchte es aber jedem Menschen ans Herz legen, darüber nachzudenken, ob er nicht auch einem gehandicapten Tier eine Chance geben möchte.
Es macht so viel Freude, zu sehen, wie Charlie sich entwickelt. Ich bereue es keinen einzigen Tag, ihn aufgenommen zu haben, ich empfinde ihn als eine Bereicherung. Ich hoffe, dass wir noch eine lange und gute gemeinsame Zeit miteinander verbringen dürfen.“

Ganz herzlichen Dank, Claudia R.

Monika Ehlers

7.9.2022